Dissertationsgruppe "AWI"

Im Rahmen von Lehrprogrammen wie dem Lehrprogramm Interdisziplinäre Kommunikation, Wissensnetzwerke und soziales Lernen wurden Projekte von Studierenden entwickelt. Eines dieser Projekte war die Gründung einer Dissertationsgruppe, um sich in dieser Phase zu unterstützen. Mit Beendigung dieses Projektes wurde auch ein gemeinsamer Artikel in der Zeitschrift Das Hochschulwesen 53 Jg. 3/2005 publiziert. Daraus werden nachfolgend Überlegungen und Fragen vorgestellt, die für andere DissertantInnen interessant sein können.

In einem ersten Resümee unserer Erfahrungen haben wir uns gefragt: „Wenn Graduierte sich überlegen, sich wechselseitig in der Phase der Dissertation zu unterstützen und diesen Prozess zu reflektieren, welche nachfolgenden Entscheidungen sind aus unserer Sicht wichtig?“ Folgende Fragestellungen erachten wir als relevant:

  • Sich Gedanken über die gruppenspezifischen Grenzen zu machen – die Gruppengröße: soll es eine (face-to-face) Lerngruppe sein oder ein Netzwerk von vielen KollegInnen?
  • Soll eine potenzielle Lerngruppe interdisziplinär sein und in welchem Ausmaß? Welche gemeinsamen Themen oder inhaltliche Fragestellungen interessieren die Gruppenmitglieder?
  • Sollen inhaltliche Themen oder Prozessreflexion gleichermaßen behandelt werden oder wird ein Fokus gesetzt?
  • Ist ein inhaltlicher Output von einigen Gruppenmitgliedern erwünscht? Soll es daher auch projekt- und teambezogene Aktivitäten geben? Sollen dafür gesonderte Orte geschaffen werden?
  • In welchem Ausmaß legt die Gruppe (Lern-)Ziele und Rollen fest? In welchem Ausmaß handelt sie sich explizit Regeln und Organisationsstrukturen aus?
  • Soll die Herausbildung von Themen und Funktionen/Positionen der Prozesssteuerung selbstorganisiert, d.h. ohne vorausgehende Planung erfolgen oder wäre es nützlich bestimmte Funktionen/Positionen festzulegen oder im Falle von Projekt- und Teamarbeit klare Funktions- und Rollenzuschreibungen zu definieren und damit auch Führung im Team auszuhandeln?
  • Soll externe Beratung hinzugezogen werden, um Selbstreflexionsprozesse anzuleiten oder fallbezogene Moderation und Beratung zur Verfügung zu stellen, etwa für die Klärung von Fragen und Problemen der beruflichen Orientierung?

Schließlich sollte man – nach einer ersten gelungenen Zielsetzung – nicht darauf vergessen, dass es auch wichtig ist, in der Gruppe eine Kultur der Auseinandersetzung zu etablieren, die es erlaubt, Ziele an neue Situationen anzupassen und neu zu definieren. Die BeobachterInnenrolle ist in dieser Frage von besonderer Bedeutung, weil durch sie „neue Perspektiven“ eingebracht werden können, „die für alle bereichernd sind, und dem Gespräch eine wichtige neue Dimension verleihen“ können.
Für InteressentInnen: Link zum zitierten Artikel "Auseinandersetzung mit Wissenschaft. Ein Erfahrungsbericht einer Lerngruppe zwischen Universität und Beruf" auf der Hompage der Zeitschrift für Hochschulwesen.